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  • Wo du nicht bist von Anke Gebert


    „Worte können erlebtes Leid niemals erschöpfend darlegen.“ So steht es irgendwo im Buch. Und genauso ist es. Die Autorin stößt mit ihrer Geschichte an die Grenzen des Erzählbaren. Umso mehr, da die erzählte Geschichte eine wahre Begebenheit ist. Und so bin ich streckenweise völlig gefangen im Buch, streckenweise jedoch bleibe ich als neutraler Beobachter außen vor.

    Wir lernen Irma Weckmüller und ihre jüngere Schwester Martha im Berlin der späten 20er Jahre kennen. Irma arbeitet als Stoffverkäuferin im KaDeWe, Martha als Hausmädchen in einer begüterten Familie. Als Martha von ihrem Dienstherrn schwanger wird, lernt Irma auf der Suche nach Hilfe für ihre Schwester den Arzt und Juden Erich Bragenheim kennen und lieben. Doch der an die Macht kommende Nationalsozialismus verändert alles…

    In verschiedenen Perspektiven erfahren wir von einer Liebe, so unfassbar stark, wie es wohl nur wenige Menschen erleben. Die Rückblicke in die Jahre ab 1929 in das Alltagsleben der beiden Schwestern, die Geburt des unehelichen Kindes, das Abgleiten der Schwester Martha in Lethargie und später in verblendeten Egoismus, das vorsichtige Sich-Annähern von Irma und Erich – diese Rückblicke sind lebendig, atmosphärisch dicht, nachvollziehbar und fesselnd, ebenso die Sequenzen ab 1945 im zerstörten Berlin und die verzweifelte Suche nach Erich, mit der Irma sich aufrecht hält. Die Autorin scheitert jedoch meiner Meinung nach in den Darstellungen der furchtbaren, der fürchterlichsten Gräueltaten der Nazis an Juden, an der kaum in Worte zu fassenden Entsetzlichkeit dessen, was Menschen in dieser Zeit ertragen mussten. Anke Gebert erzählt zwar schonungslos, aber dennoch bleibt der Leser oft außen vor. Es fehlt die wahre Intensität, der penetrante Leichengestank, die Asche zwischen den Zähnen, es fehlen die grässlichen Schmerzen des Hungers und der grenzenlosen Angst. Es fehlt an Unausweichlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Zu glatt und nüchtern kommen diese schlimmen und allerschlimmsten Szenen auf den Leser zu. Es stimmt ja auch: „Worte können erlebtes Leid niemals erschöpfend darlegen.“ Dass Irmas Liebe zu Erich seinen Tod überdauert und sie geradezu besessen auf Legitimation beharrt, ist beklemmend und wohl nur aus der kämpferischen Stärke der Irma Weckmüller heraus zu verstehen.

    Fazit: Ein lesenswertes Buch, das jedoch streckenweise an den Grenzen einer romanhaften Schilderung jener unsäglichen Zeit scheitert.


  • Wo du nicht bist von Anke Gebert

    Der Roman von Anke Gebert basiert auf einem realen Ereignis und zeigt Deutschland ab 1930 bis in die Nachkriegszeit.
    Die Berlinerin Irma verliebt sich in den jüdischen Arzt Erich. Doch bevor sie heiraten können, kommen die Rassengesetze, die es ihnen verbieten und dann wird Erich deportiert. Zunächst nach Theresienstadt. Er wird dann später Auschwitz ermordet.

    Mein Problem ist ein wenig, dass der Clou des Plots schon von vornherein bekannt ist. Das lässt nicht gerade viel Spannung zu. Dafür halte ich die Darstellung der Beziehung zwischen dem Liebespaar für ganz gut gelungen. Das wird auch in Rückblicke noch später im Buch vertieft. Das Paar hatte in der schlimmen Zeit zueinander gestanden, soweit es ging.
    Dann wird die Nachkriegszeit glaubwürdig gezeigt. Dass schließt auch eine spürbar andauernde antisemitische Stimmung mit ein.

    Bei den Nebenfiguren finde ich es schade, dass Irmas Schwester Martha zu blass bleibt. Sie wurde ungewollt schwanger. Daraus hätte man mehr machen können.

    Anke Geberts Erzählungskünste sind gut. Sie schaffte es, das Leben in dieser Zeit zu verdeutlichen.
    Erich halte ich für die stärkste Figur des Buches. Irma steht für eine Frau, die nicht aufgibt.

  • Wo du nicht bist von Anke Gebert

    „Wo du nicht bist“ ist erschienen bei Pendragon und für mich das erste Buch aus diesem Verlag. Es besticht rein äußerlich nicht nur durch ein augenfreundliches Schriftbild, sondern auch durch den hochwertigen Einband, außerdem verfügt es über ein Lesebändchen.
    Zu verdanken ist der Roman der Autorin Anke Gebert, die aus ihr anvertrauten Dokumenten die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Irmgard Weckmüller aufgearbeitet hat. Sie beginnt Ende der zwanziger Jahre, einer Zeit, in der viele Menschen versuchten, sich durch Heimarbeit ein besseres Leben zu ermöglichen – so wie Irma, die mit ihrer Schwester Martha zusammen wohnte und nach ihrer Arbeit noch Knallbonbons zusammensteckte, um sich und Martha besser versorgen zu können.
    Ihr Glück findet Irma, als sie den Arzt Erich Bragenheim kennen und lieben lernt. Doch mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus verändert sich ihr Leben dramatisch, denn Erich ist Jude. Welche Bosheiten sie sich anhören müssen und welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn sie ihr Verhältnis nicht beenden, das erzählt Anke Gebert so eindringlich und glaubhaft, wie ich es bisher so intensiv noch nicht gelesen hatte. Es ist erschreckend, wie viele Menschen – selbst im Familien- und Freundeskreis – sich von ihnen abwenden und die Verbindung verurteilen. Vielleicht geschieht das aus Angst, selbst verfolgt zu werden, vielleicht aber auch, weil sie an den Irrsinn der „Reinheit der Rasse“ glauben. Das ganze Grauen dieser Zeit wird so überzeugend dargestellt, dass ich einfach erschüttert bin.
    Die geplante Hochzeit findet nicht mehr statt. Erich kommt aus dem Krieg nicht nach Hause und Irma setzt alles daran, dennoch seine Frau zu werden.
    Mich hat die Geschichte von Irma und Erich von Anfang an gefesselt und tief im Inneren sehr berührt. Ein schrecklicher Teil deutscher Geschichte, den wir nicht vergessen dürfen, und der sich nicht wiederholen darf. Darum aus vollem Herzen meine Leseempfehlung für dieses Buch.


  • Wo du nicht bist von Anke Gebert

    Zum Inhalt:
    Irma und Martha verlieren schon früh ihre Mutter und müssen alleine durchschlagen, nur unterstützt durch eine Pflegemutter, aber im Wesentlichen doch allein. Als Irma den Arzt Erich kennenlernt, fühlt sie sich gleich von ihm angezogen. Sie verlieben sich und wollen heiraten, doch die Heirat mit Juden ist verboten. Erich überlebt den Krieg nicht, aber Irma ist wild entschlossen, Erich immer noch zu heiraten.
    Meine Meinung:
    Das Buch, dass auf wahren Ereignissen beruht, hat mich tief berührt. Einerseits wie schwer es die Menschen hatten, wie sehr die Leben von ganz normalen Menschen zerstört wurden. Andererseits dass es so etwas wie postmortale Ehen gibt. Davon hatte ich noch nie gehört. Und ich fand es toll, dass es Irma gelungen ist, genau das für sich und ihren Erich gelungen ist. Ich finde es auch wichtig, dass genau solche Geschichten erzählt werden, damit das Unrecht nie vergessen wird. Der Schreibstil des Buches hat mir sehr gut gefallen.
    Fazit:
    Berührende Geschichte

  • Wo du nicht bist von Anke Gebert

    „Wo Du nicht bist“ ist ein historischer Roman nach einer wahren Begebenheit von der in Hamburg lebenden Autorin Anke Gebert.

    Irmgard – genannt Irma – Weckmüller führt ein einfaches Leben und arbeitet als Verkäuferin in Berlin im KaDeWe. Mit ihrem Einkommen finanziert sie ihr Leben und das ihrer Schwester Martha, die nach einer Vergewaltigung ein Kind bekommen hat. Als Irma Erich Bragenheim – zu dem sie sich direkt hingezogen fühlt und der ihre Gefühle erwidert - kennenlernt, ändert sich ihr Leben. Durch den Arzt lernt sie das Leben in den höheren gesellschaftlichen Kreisen kennen. Aber der Krieg und die Tatsache, dass Erich Jude ist, beendet schon bald ihr Glück. Erich wird ermordet und Irma ist allein. Obwohl Erich tot ist, bleibt Irma fest entschlossen ihr Eheversprechen einzulösen.

    Irma ist eine unglaublich starke Frau, die zu ihrer Liebe steht, für ihre Liebe kämpft und ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. Ihre Gedanken und Gefühle werden nachvollziehbar beschrieben. Obwohl sich alle um sie herum von ihr abwenden – Freunde, Kollegen und sogar ihre Schwester – steht sie zu Erich. Ihre Energie, die sie an den Tag legt, um Erich nach seinem Tod zu heiraten ist beeindruckend und bewundernswert. Erich ist ein charmanter und liebenswerter Mensch, der dem Naziregime zum Opfer gefallen ist. Martha, für die Irma so viel getan hat, entwickelt sich zu einer egoistischen Frau, die sich dem System / der Gesellschaft unterordnet.

    Die Ereignisse der Zeit und wie sich die Menschen durch den Nationalsozialismus haben beeinflussen lassen, sind immer wieder erschreckend und werden hier authentisch und nachvollziehbar geschildert.

    Sehr gelungen fand ich den Beginn des Buches mit einem Auszug aus der Operette „Das Land des Lächelns“, dem Text der Arie „Dein ist mein ganzes Herz“. Die Idee einzelne Zeilen des Textes als Kapitelüberschrift zu verwenden, gefiel mir einfach gut.

    Mit ihrem Nachwort, historischen Dokumenten, Fotos von Irmgard Weckmüller und Erich Bragenheim hat die Autorin ihr Buch gelungen abgerundet. „Wo Du nicht bist“ ist kein unterhaltsamer Roman, sondern ein historisches Buch, das für mich eines meiner Jahreshighlights war.

  • Wo du nicht bist von Anke Gebert



    Anke Gebert macht uns in ihrem Roman
    „Wo du nicht bist“ mit dem Schicksal der Irma Weckmüller bekannt.
    Im Klappentext stand, das Erich tot ist und Irma ihn heiraten will. Da dachte ich, das kann doch nicht stimmen. Aber das gibt es doch.

    Irma war eine fleißige verantwortliche Frau. Nach dem Tod der Mutter kümmert sie sich um die Schwester Martha. Die arbeitet als Hausgehilfin und wird von Hausherrn zum Sex gezwungen und wird schwanger.
    So lernt Irma den Dr. Erich Bragenheim kennen. Die beiden verlieben sich ineinander.
    Er ist Jude und der Nationalismus
    verbietet die Heirat.
    Nach dem Krieg sucht sie einen Anwalt, der ihr helfen soll, das sie Erichs Frau werden kann.
    Anke Gebert zeigt diese besondere Liebe, trotz Problemen hält Irma an Erich fest.
    Die Autorin beschreibt das alles bildhaft, glaubhaft und einfühlsam. Diese emotionale Geschichte geht auf eine wahre Begebenheit zurück.
    Das Werk ist beeindruckend und lesenswert.