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"Mama reicht's!" ist das Debüt der in Köln lebenden Autorin, Creatorin und Bloggerin Anke Neckar.
Julia steht mitten im Leben und ist zu 100 Prozent Mutter, Ehefrau und Praxisangestellte. Sie liebt ihre Familie und hat bisher alles gemanagt, ohne darüber nachzudenken, was das für sie bedeutet und wie viel Kraft das kostet. Nun ist sie vollkommen erschöpft und weiß, es muss sich etwas ändern.
Mit Julia hat Anke Neckar eine ausgesprochen sympathische und authentische Protagonistin erschaffen. Schon nach den ersten Seiten konnte ich mich ausgesprochen gut in ihr wiedererkennen. Ihre Gedanken sind nachvollziehbar und in ganz vielen Situationen habe ich gedacht: „Ja, genauso ist es!“
Mir gefiel es, dass Julia schon seit Jahren Briefe an ihr älteres Mama-Ich schreibt, wenn sie meint, dass eine Lebensphase endet und eine neue beginnt. Eigentlich wollte sie diese erst später lesen, aber der Zeitpunkt ist nun gekommen.
Die Handlung wechselt zwischen der Gegenwart und den Briefen, die Julia an ihr „Older Me“ geschrieben hat. Ich fand ihre Aufzeichnungen großartig, konnte aber auch den familiären Stress in der Gegenwart sehr gut fühlen. Oft waren die Situationen so absurd, dass ich einfach lachen musste und gleichzeitig weiß ich, genau so ist es.
Der Schreibstil der Autorin ist lebendig und leicht zu lesen. Trotzdem sind hier auch schwierige Themen, die das Leben vieler Menschen betreffen gut verpackt, wodurch der Roman mehr Tiefe enthält.
Mit ihrem Nachwort rundet die Autorin ihr Buch gelungen ab. Mit Julia ist ihr das gelungen, was sie sich gewünscht hat. Sie ist eine von uns, ebenso wie ihr Mann Marcel und ihre Kinder Oskar und Luise gute Stellvertreter für ihre Rolle sind.
Ich kann das Buch Leser*innen, die manchmal das Gefühl haben im Familienalltag durchzudrehen, nur empfehlen – ihr seid nicht allein.
„Genug für ein halbes Leben“ ist das Debüt der Autorin und Lektorin Evann Normandin.
Rose und Landon sind füreinander geschaffen und haben ihre gemeinsame Zukunft bereits geplant. Ein schwerer Schicksalsschlag veranlasst Rose dazu, eine neuartige „Vergessenspille“ zu schlucken. Durch diese werden ihre bisherigen Erinnerungen an ihr Leben und ihre Liebe zu Landon gelöscht. Während sich Rose ein neues Leben aufbaut, hält Landon an ihrer Liebe fest und tritt erneut in ihr Leben.
Die Idee des Buches fand ich ausgesprochen spannend und hat bei mir unzählige Fragen im Kopf entstehen lassen:
Hat sich die Persönlichkeit von Rose verändert?
Wie fühlt es sich für Landon an, dass sie sich nicht an die gemeinsame Vergangenheit erinnern kann?
Was macht das mit den Menschen im Umfeld von Rose und Landon?
Die Handlung wird im Wechsel in der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt. Dadurch ergab sich nach und nach ein rundes Bild der Ereignisse.
Rose und Landon sind zwei authentische Protagonisten. Ich konnte die Gefühle der beiden und den Zwiespalt, wenn es um ihre Beziehung ging, sehr gut nachvollziehen.
Etwas enttäuscht war ich, dass die „Vergessenspille“ so wenig Raum einnimmt. Letztendlich war sie nicht wirklich wichtig, sondern nur Mittel zum Zweck für diese Geschichte.
Es ist ein sehr einfühlsamer und emotionaler Roman über eine tragische Lebensgeschichte, über zweite Chancen, Verlust, Erinnerungen und Identität, der zum Nachdenken anregt und der einfach schön erzählt ist. Ich bin jedenfalls gespannt, was wir noch von Evann Normandin lesen werden.
In ihrem Buch "Eine winzige Lüge" greift die Autorin Astrid Korten ein sensibles Thema auf und verpackt dieses in einen spannenden Roman, der sich nur schwer wieder aus der Hand legen lässt, wenn man einmal angefangen hat zu lesen.
Martina Wagner ist alles andere als leichtgläubig. Auch bei ihrer Tochter Julia fällt es ihr schwer ihr vertrauen zu schenken, da Julia von klein auf eine lebendige Fantasie hatte. Als sie ihr anvertraut, dass sie über Jahre von ihrem Stiefvater Alex missbraucht wurde, beginnt Martinas Welt zu wanken. Zunächst wehrt sie sich gegen die Wahrheit, beginnt aber dann nachzuforschen und stößt dabei auf Geheimnisse und Lügen, die mich beim Lesen dazu gebracht haben die Luft anzuhalten.
Der Schreibstil von Astrid Korten ist durchweg fesselnd und spannend. Sie beginnt im Alltag der Protagonisten und holt einen damit direkt auf den ersten Seiten ab. Im Anschluss hat mich die Geschichte bis zum Ende nicht mehr losgelassen.
Hier werden sensible Themen, die gerne verschwiegen werden und die niemand in seiner Familie erleben möchte, behutsam und feinfühlig aufgegriffen.
Martinas inneren Zwiespalt und ihre Zerrissenheit konnte ich sehr gut nachvollziehen.
Durch Perspektivwechsel bekommt die Handlung noch mehr Tiefe. Die Charaktere sind facettenreich, vielschichtig, nicht immer leicht zu durchschauen aber gerade auch dadurch sehr authentisch.
Dieser spannungsgeladene Roman berührt und geht unter die Haut. Dass es kurz vor Ende nochmals eine Wendung gibt, hat mich – obwohl ich bei Astrid Korten wirklich damit rechnen konnte – überrascht.
Mich hat dieses Buch zum Nachdenken angeregt und es wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, von daher kann ich es sehr empfehlen.
„Keine Angst, Darling“ ist ein beklemmender Psychothriller der in der Schweiz lebenden Autorin Vera Buck.
Lea Graves hat es geschafft. Sie lebt mit ihrem Mann Matt und ihrer Tochter in der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida. Aber bereits im Prolog wird deutlich, dass in dieser Gegend nicht alles so perfekt ist, wie es aus der Ferne zu sein scheint. Im Anschluss folgt ein Tagebucheintrag von Lea, der dies ebenfalls verdeutlicht.
Bisher hat Lea ihr scheinbar makelloses Leben - als Hausfrau, Mutter und Ehefrau wie in den 50er-Jahren - auf Social Media präsentiert, aber dort ist es still geworden. Es gab keine neuen Beiträge von ihr. Ihre Schwester Paula sorgt sich und beschließt, von Deutschland nach Florida zu reisen, um nach ihr zu sehen. Matt behauptet, dass Lea in einem Retreat sei, aber Paula lässt die Situation keine Ruhe. Sie beginnt damit Nachforschungen anzustellen und es wird für sie gefährlich.
Die Handlung wird im Wechsel aus Leas und Paulas Perspektive dargestellt. Außerdem gibt es Social-Media- und Tagebuch-Einschübe, wodurch sich alles sehr abwechslungsreich liest.
Für mich war es zunächst schwer vorstellbar, dass sich eine Frau freiwillig in das Rollenbild der 1950er Jahre begibt. Während des Lesens wird deutlich wie es dazu kommt und was dahintersteckt.
Thematisch greift Vera Buck in diesem Zusammenhang eine Menge aktueller Themen auf, die unter die Haut gehen. So sehr wir uns auch Gleichberechtigung wünschen und obwohl sich in dieser Richtung auch schon eine Menge getan hat, gibt es noch reichlich Luft nach oben.
Es geht hier nicht nur um Tradewives, sondern auch um Manipulation, Kontrolle, häusliche Gewalt, Schweigen und vieles mehr.
Mich hat dieser gesellschaftlich relevante Thriller von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und ich empfehle ihn gerne weiter.
„FIVE - Das Ticken der Zeit“ ist ein außergewöhnlicher Thriller der in London lebenden Autorin Ilona Bannister.
Fünf Menschen stehen vollkommen unabhängig voneinander an einem Londoner Bahnsteig und warten auf den Zug. Da ist Emma mit ihrem sechsjährigen, verhaltensgestörten Sohn Gideon, der Geschäftsmann Liam, die Wissenschaftlerin Mrs Worth und der labile Sonny. Einer von ihnen wird die Ankunft nicht überleben.
Jeder der Charaktere bringt seine eigene Vergangenheit mit sich, die nach und nach aufgedeckt wird, während die Uhr tickt.
Bereits auf den ersten Seiten wird eine enorme Spannung aufgebaut. Man spürt, wie die Zeit verrinnt, alles wird minutiös geschildert. Dadurch entsteht eine unglaubliche Unruhe, regelrechte Hektik, die mich gepackt hat und dafür sorgte, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.
Mit ihren fünf Protagonisten hat Ilona Bannister interessante Charaktere erschaffen, die durch ihre Geheimnisse und Vergangenheit nicht unbedingt sympathisch wirken. Sie spielt mit der Zeit. Fünf Minuten sind kurz, aber in diesen fünf ereignet sich unglaublich viel, so dass trotz der präzisen Beschreibungen keine Längen entstehen.
Dieser Thriller ist wirklich außergewöhnlich, da zum einen der Schwerpunkt auf den Schicksalen der Protagonisten liegt und zum andern klar ist, was passiert, aber unklar wie es dazu kommt und wen es trifft.
Mit ihrem Nachwort rundet die Autorin ihren Thriller gelungen ab, da sie nochmals interessante Einblicke in die menschliche Psyche, Entstehung von Traumata und die Informationen zur britischen Bahn gibt, mit denen ich nicht gerechnet hatte.
Mich hat dieser Thriller begeistert, da er erfrischend anders war als das, was ich sonst lese.
„Alleinruhelage“ ist ein kluger Roman der in Berlin lebenden Autorin Eva Menasse
„Haus, ich verkaufe dich“, mit diesem Satz der Protagonistin und Ich-Erzählerin startet die Handlung. Ein Haus, das Zeuge ihres Lebens ist, in dem sie mit ihren Kindern und ihrem Mann ihre Ferien mit guten und schlechten Tagen verbracht hat, das aber seit dem Aus der Ehe leer steht und verkommt. Es ist nicht das erste Mal, dass sie verkaufen möchte, aber dieses Mal soll es wirklich so sein.
Alleine könnte die Protagonistin das Haus niemals in einen wohnlichen Zustand versetzen, aber sie hat Glück und bekommt Hilfe von dem polnischen Handwerker Bolek und der polnischen Putzfrau Alla.
Der Schreibstil von Eva Menasse ist ruhig und atmosphärisch. Die Stimmung der Datschensiedlung in Vorpommern wird gut vermittelt.
Zudem erfährt man viel aus dem ostdeutschen Sprach- und Kulturraum.
Es ist ein vielschichtiger Roman mit sympathischen Protagonisten, der mich zum Lachen gebracht und auch nachdenklich gemacht hat. Besonders amüsant fand ich dabei Alla und Bolek, die mich mit ihren liebenswerten Satzkonstruktionen immer wieder zum Schmunzeln gebracht haben.
Ich bin der Ich-Erzählerin gerne durch die Erinnerungen gefolgt und konnte sowohl ihre Gedanken als auch ihre Gefühle gut nachvollziehen.
Thematisch spricht die Autorin diverse Alltagsthemen an, in denen sich jede*r Leser*in irgendwo wiederfinden kann. Zwischen melancholischen und amüsanten Themen geht es um Veränderungen, Abschiednehmen, Neuanfang, Heimat, Fremde, Zugehörigkeit, Identität und vieles mehr.
Mich hat dieser vielschichtige Roman nachdenklich zurückgelassen.
Er zeigt, wie sich das Leben verändern kann und dass Einschnitte manchmal einen Neustart einfordern, um sein altes Leben loszulassen. Für mich ist „Alleinruhelage“ eine lohnende Lektüre, die durch ihre Authentizität noch lange nachhallt.
"Die Schönheit der Distanz" ist ein berührender, tiefgründiger Roman der japanischen Autorin Nao-Cola Yamazaki.
Die Ehefrau des Protagonisten ist krank und wird nicht mehr lange leben. Ihm ist es wichtig, die ihnen verbleibende Zeit so schön wie möglich zu gestalten. Er lässt sich von der Arbeit freistellen und besucht seine Frau jeden Tag im Krankenhaus.
Der Schreibstil der Autorin ist ruhig und klar. Sie greift hier ein wichtiges gesellschaftliches Thema auf. Nach dem Tod seines Partners darf man sich eine Auszeit nehmen und trauern, aber die Zeit, um die letzten Tage und Stunden zu teilen, ist dafür nicht vorgesehen.
Obwohl der Ich-Erzähler seine Liebe zu seiner Frau in vielen kleinen sehr warmherzigen Gesten zeigt, fand ich ihn schwer zu greifen, da sowohl er als auch seine Frau namenlos bleiben. Dennoch mochte ich den respektvollen und geduldigen Umgang, den er mit seiner Frau in dieser schwierige Situation an den Tag legt und bin seinen Erinnerungen gerne gefolgt.
Es ist ein kurzes – gerade einmal 160 Seiten starkes – Buch, das mich emotional sehr berührt und nachdenklich gemacht hat, da es ein Thema anspricht, das jeden von uns trifft.
„Die Bernsteinfischerin“ ist ein berührender Roman, der in Lübeck lebenden Autorin Lisa Quentin.
Die 26-jährige Julika geht in ihrer Arbeit als Paläontologin - Bernsteinforscherin mit dem Spezialgebiet Insekteneinschlüsse - voll auf. Zusätzlich kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihre kranke Mutter. Ein ungewöhnlicher Einschluss in einem Bernstein führt sie zu der 90-jährigen Ebba. Die beiden Frauen sind sehr unterschiedlich und stehen auch an vollkommen unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben. Dennoch verbindet sie mehr als es auf den ersten Blick scheint.
Die Handlung wird im Wechsel in der Gegenwart und in der Vergangenheit von Ebba – beginnend 1943 an der ostpreußischen Bernsteinküste – erzählt. Der Schreibstil von Lisa Quentin liest sich angenehm flüssig und lebendig. Sie stellt ihre Protagonistinnen authentisch dar. Beide Frauen haben kein einfaches Leben, streben nach Selbstverwirklichung und sorgen sich um ihre Liebsten.
Mir sind Ebba und Julika im Verlauf der Handlung sehr ans Herz gewachsen. Man wünscht den beiden nur das Beste und hofft mit ihnen, dass sich alles zum Guten wenden wird.
Die Beschreibung der Umgebung am Meer hat mir besonders gut gefallen. Ich hatte alles direkt vor Augen und konnte die Atmosphäre spüren, so dass ich direkt richtige Sehnsucht nach dem Meer bekommen habe. Auch die wissenschaftlichen Informationen rund um Bernstein habe ich nur so in mich aufgesaugt und mich dadurch an Urlaube an der Ostsee zurückerinnert, in denen ich selbst – leider erfolglos – nach Bernstein gesucht habe.
Es ist ein atmosphärischer und bewegender Roman über das Leben zweier Frauen, der unterhält und berührt. Ich werde ihn sicherlich noch lange in Erinnerung behalten.
„Der Prätorianer“ ist der Auftakt einer spannenden Thrillerreihe von dem dänischen Autor Tobias Bukkehave.
Direkt zu Beginn werden die eigenwillige Kriminalkommissarin Sara Levin und ihr Partner Janus West zu einem Einsatz gerufen, der deutlich macht, dass das Buch nichts für schwache Nerven ist. Dieser Einsatz ist allerdings nichts im Gegensatz zu dem, was danach kommt. Bei dem nächsten Tatort handelt es sich um eine Trafostation, in der eine brutal zugerichtete Leiche kunstvoll inszeniert wurde. Schnell wird klar, dass es sich dabei nicht um einen Einzelfall handelt, da es weitere Tote gibt, die ähnlich grausam zugerichtet wurden.
Tobias Bukkehave nimmt sich Zeit, seine Protagonisten einzuführen. So habe ich schnell ein gutes Bild von Sara und Janus erhalten, aber auch von Saras Bruder Adam, der als Profiler zu den Fällen hinzugezogen wird. Ihre Zusammenarbeit gefiel mir sehr, da ich ihre Ansätze und Vorgehensweise nachvollziehbar fand.
Die Spannung ist von Beginn an hoch. Der Mörder arbeitet mit lateinischen Inschriften und Symbolen aus der Zeit des römischen Kaisers. Christian Levin, der Vater von Sara und Adam sitzt als verurteilter Serienmörder im Gefängnis und wird aufgrund seiner Kenntnisse in dieser Thematik zu dem Fall hinzugezogen.
Die kunstvoll inszenierten Ritualmorde, die damit verbundenen Bezüge zur römischen Antike, tiefe Blicke in psychologische Abgründe und die persönlichen Verhältnisse in der Familie Levin sorgen für ein ganz besonderes Thrillererlebnis, da durchgehend die Frage im Raum schwebt, ob die Vergangenheit der Levins etwas mit den aktuellen Ereignissen zu tun hat.
Da die Grausamkeiten des Mörders sehr detailliert geschildert werden und der Autor dafür sorgt, dass zwangsläufig ein wildes Kopfkino entsteht, muss man wirklich starke Nerven haben.
Wer Spannung in eisiger Atmosphäre mag und gerne in menschliche Abgründe blickt, der liegt mit diesem Thriller richtig.
„Der Einsiedlersommer“ ist der Debütroman der norwegischen Autorin, Biologin und Professorin für Naturschutzbiologie Anne Sverdrup-Thygeson.
Die 33-jährige Biologin Eva hat sich nach einem schweren Verlust aus Oslo gemeinsam mit ihrem Hund Orca nach Vestfold zurückgezogen. Dort will sie den in Europa nahezu ausgestorbenen Eremitenkäfer aufspüren. Ihr Partner Eirik ist in Oslo geblieben und verletzt, dass Eva den Sommer ohne ihn verbringen will und nichts von ihren Plänen erzählt hat.
In Vestfold trifft Eva auf die 76-jährige Einsiedlerin Olga. Ein Bergbauunternehmen will auf ihrem Grundstück einen Steinbruch einrichten. Olga sieht dadurch die Erinnerungen an ihre Familie bedroht und will dies verhindern. Ausgerechnet auf ihrem Grundstück stehen auch die ältesten Eichen, bei denen Eva den Käfer vermutet.
Mit Eva und Olga hat die Autorin zwei sehr unterschiedliche Protagonistinnen erschaffen. Eva ist aufgeschlossen, steckt voller Energie und Leben, kämpft aber gerade mit dem Verlust ihres Sohnes, der tot zur Welt gekommen ist. Sie braucht Abstand.
Olga ist eigenbrötlerisch, sehr verschlossen und hadert mit ihrer Vergangenheit. Aber eines haben die beiden Frauen gemeinsam. Beide lieben die Natur und sind bereit, sich für diese einzusetzen.
Während mir Eva auf Anhieb sympathisch war, hat es bei Olga ein wenig länger gedauert bis ich auch sie ins Herz geschlossen hatte. Die Freundschaft zwischen den beiden wächst langsam, entwickelt sich dadurch tief und intensiv.
Anhand der Protagonistinnen und den Beschreibungen der Natur merkt man hier auf jeder Seite wie wichtig auch der Autorin die Pflanzen, die Tiere und unsere Umwelt ist. Sie greift viele wichtige und aktuelle Themen auf. Es geht um das Artensterben, Naturschutz, profitgierige Unternehmen, Artenvielfalt, Klimawandel und verbindet diese mit gesellschaftlich Relevantem, so dass auch Trauer, Schmerz, Familie, das Loslassen und Heilung ihren Raum bekommen.
Der Handlungszeitraum umfasst gerade einmal drei Monate, die hier dicht und atmosphärisch beschrieben werden.
Wer die Beschreibungen der norwegischen Natur liebt, sich für aktuelle Themen interessiert, Romane über Freundschaften mag oder auch einfach nur staunen möchte wie bedeutsam ein kleiner Käfer sein kann, der liegt mit diesem Buch richtig.