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Bewertungen von Leser/innen

  • Mystery Eye von Susann Blum

    Susann Blum setzt Tammys Geschichte im zweiten Teil der „Mystery Eye“-Serie fort. Um sich in der Storyline zurechtzufinden, ist es von Vorteil, den ersten Band („Mystery Eye – Telepathie“) gelesen zu haben. Am Anfang des Buches gibt jedoch auch einen kurzen Rückblick auf den ersten Teil.
    Nahtlos geht die Story weiter. Tammy und ihre FreundInnen erholen sich gerade von den aufregenden Ereignissen, denen sie mit Geschick und vor allem Zusammenhalt entkommen sind. Doch es gibt noch sehr viele offene Fragen und lose Enden, weshalb es schnell mit dem Abenteuer weitergeht. Besonders das Schicksal von Isaacs Bruder und die Vorfälle im Jugendinternat Kingsstep treiben die Gruppe Jugendlicher an, mehr erfahren zu wollen. Dabei werden die Mitglieder des Scharonns immer sicherer im Umgang mit ihren Fähigkeiten und Tammy und Isaac wird klar, dass sich die Energie des blauen Auges materialisieren kann. Neue Informationen über den Ursprung ihres Scharonns bekommt die Gruppe, als sie erfährt, wer die unbekannte Person ist, die ihnen immer wieder durch Nachrichten Unterstützung zukommen lässt.
    Wie auch schon im letzten Band, stehen die Themen Freundschaft, Zusammenhalt und Akzeptanz im Vordergrund von Susann Blums Buch. Die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Freundesgruppe gestalten sich vielschichtiger, werden einerseits tiefer, andererseits kommen auch erste Unstimmigkeiten auf. Die Charaktere entwickeln sich weiter, wobei sie mit ihren 14 Jahren oft schon fast zu erwachsen wirken. Da sind Szenen, in denen sie etwa unbeschwert im Wasser plantschen oder auf Bäume klettern, altersadäquater. Insgesamt ist das Tempo nicht so hoch wie im ersten Band. Trotz der ständigen Bedrohung, vor der die Teenager fliehen müssen, liegt meines Erachtens der Fokus der Geschichte auf der Weiterentwicklung der Charaktere und dem Brückenschlag zum dritten und finalen Buch. Dabei ist leider der Humor, der mir im ersten Buch positiv aufgefallen ist, etwas auf der Strecke geblieben. Trotzdem ist die Geschichte angenehm zu lesen, das Zusammenspiel der unterschiedlichen Charaktere ist durchdacht und natürlich bleibt die Story spannend. Für mich ist der dritte Band („Mystery Eye – Heilung“) deshalb ein Must-Read!

  • Konfetti im Kopf von Doreen Aldugan

    ADHS – wie erkläre ich das? Diese Frage habe ich mir schon öfter gestellt. Ja, ich kann ein paar Fachbegriffe raushauen, die ich mir mit der Zeit so angeeignet habe oder von meiner Erfahrung als Mutter von Kindern mit ADHS aus dem Alltag erzählen. Oft hat sich keines davon richtig und stimmig angefühlt. Und da kommt für mich dieses wundervolle Buch ins Spiel! Geschrieben von einer Frau mit ADHS und illustriert von einer Frau mit ADHS! Somit wird ADHS von Menschen in Worten und Bildern erklärt, für die es ein Teil ihres Lebens ist. Und das hat eine besondere Qualität. Begleitende Worte einer Diplom-Psychologin und ADHS-Expertin bringen noch eine weitere Perspektive in das Buch ein.
    Ganz bunt kommt das Buch daher, so bunt, wie das Leben mit ADHS auch sein kann. Damit lädt es auf jeden Fall zum Lesen und Anschauen ein. Die Metapher mit der Konfettimaschine im Kopf ist einerseits lustig, veranschaulicht andererseits aber auch die Arbeitsweise eines neurodivergenten Gehirns. Der Aufbau des Buches ist gut gelungen, man wird Schritt für Schritt durch die Themen geführt, wobei jede Doppelseite ein Thema behandelt. Immer im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Kinder mit ADHS. Dadurch geschieht die Wissensvermittlung auf Augenhöhe, die Erklärungen sind leicht verständlich und an die junge Leserschaft angepasst. Trotzdem und deshalb ist dieses Buch für alle Altersgruppen geeignet. Das komplexe Thema wurde auf eher einfache Worte und Erklärungen heruntergebrochen, was sicher nicht ganz so einfach war, aber genial umgesetzt wurde!
    Neben der Wissensvermittlung gibt es auch noch alltagstaugliche Tipps, die Kindern mit ADHS beispielsweise helfen können, sich zu konzentrieren, sich zu organisieren oder das Zuviel im Kopf auszuhalten. Immer wieder werden die Kinder aufgefordert, zu verbalisieren, wie sie sich gerade fühlen beziehungsweise was sie gerade brauchen. Das halte ich für einen der wichtigsten Tipps, da Außenstehende, so wie ich, doch immer wieder von den eigenen Mustern und Bedürfnissen ausgehen und leicht übersehen, dass das Gegenüber gerade etwas ganz anderes braucht.
    Ich bin von diesem Buch einfach nur begeistert! Es ist eine große Bereicherung für mich und meine Familie und ich denke, dass es das auch für andere sein kann.

  • Die Straße von Robert Seethaler

    Robert Seethaler schreibt in seinem neuesten Buch über die Menschen, die in der Heidestraße wohnen und/oder arbeiten. Diese Straße am Rand einer deutschen Stadt beherbergt die unterschiedlichsten Charaktere, die oft nur nebeneinanderher leben und nur wenige Berührungspunkte haben. Das alljährliche Fest im November rahmt die Handlung ein.
    Was das Buch besonders macht, ist dass die Menschen mit ihren Beobachtungen. Gedanken und Erlebnissen zu Wort kommen, ohne dass ihre Erzählungen in eine verbindende Geschichte eingebettet sind. Allein aus der Ich-Perspektive berichten sie in kurzen Abschnitten von ihrem Alltag, ihrem Leben, von Dingen, die sie bewegen. Man lernt die Protagonistinnen nach und nach kennen, nur selten wird von anderen BewohnerInnen der Heidestraße ihr Äußeres, ihr Alter oder Ähnliches erwähnt. So bleibt einerseits einiges der Fantasie der Lesenden überlassen, andererseits lernt man viel über das, was die ProtagonistInnen wirklich ausmacht, ihren Ängsten, Wünschen und Lebensrealitäten.
    Für mich war es, als ob ich ein Geschichten-Puzzle zusammensetzen würde. Robert Seethaler schafft es hervorragend, dass bei jedem kurzen Abschnitt klar wird, mit welcher Figur aus der Heidestraße man es gerade zu tun hat. Das Lesen war für mich sehr kurzweilig, da die Aufmerksamkeit mehr gefordert war als bei manch anderen Büchern. Der Alltag der Menschen steht im Mittelpunkt der Geschichte, sie birgt jedoch oder gerade deshalb einiges an Gesellschaftskritischem.
    Obwohl ich das Lesen des Buches genossen habe, fehlte mir, als ich es beendet hatte, die verbindende Geschichte doch mehr als erwartet. Ich vermisste das Gefühl, mich in eine Handlung vertieft zu haben.
    Wer ein etwas anderes Leseerlebnis sucht, ist mit diesem Buch gut beraten.

  • Die Schwestern Lily und Jane erleben früh in ihrem Leben einen Schicksalsschlag. Ihre Mutter stirbt und das verändert ihre Welt natürlich. Die Mädchen werden katholisch und feministisch erzogen und wachsen in einem wissenschaftlich sehr interessierten Umfeld auf. Besonders ihre Mutter ist ein großes Vorbild für sie. Nach ihrem Tod schlagen die charakterlich recht unterschiedlichen Schwestern verschiedene Wege ein, bleiben einander jedoch immer sehr nah. Jane lebt und feiert ausgiebig, Lily findet Halt in ihrer Beziehung zum Highschool-Footballstar. Die beiden wollen ihr Leben, ihre Zukunft miteinander verbringen, bis zu dem einen Ereignis, das alles verändert.
    Im Fokus der Geschichte steht Lily. Recht ausführlich wird ihre Kindheit in den 1970ern, die sehr von ihrer gebildeten, modernen, aufgeschlossenen und toleranten Mutter und dem katholischen Glauben geprägt ist, beschrieben. Die Verbindung dieser Aspekte lässt Lily und Jane zu selbstbewussten Menschen heranwachsen, die die Umbrüche ihrer Zeit, besonders in den Themen Feminismus und Rassismus, unterstützen. Gleichzeitig stellt sich Lily, im Gegensatz zu ihrer freiheitsliebenden Schwester, eine Zukunft in der Ehe mit ihrem Freund vor. Als Lilys Welt nach einem Unfall zum zweiten Mal zusammenbricht, muss sie die Beziehung zu dem Jungen abschließen und hinter sich lassen. Die Anziehung, die zwischen den beiden bestanden hat, kann die Zeit jedoch nicht auflösen. Obwohl Lily in einer anderen Beziehung glücklich ist, lassen sie die Gedanken und Gefühle an ihre erste Liebe nicht los.
    In kleineren und größeren Zeitsprüngen führt die Autorin durch Lilys Leben. Dabei fängt sie die sozialen Lebensumstände der verschiedenen Jahrzehnte gut ein. Sehr realistisch schreibt sie über die Veränderungen, die die Gesellschaft aber vor allem Lily und Jane durchmachen. Die großen Fragen, die sich stellen, sind moralische und handeln unter anderem von Schuld, Treue und Vergebung.
    Die Geschichte hat mich durch ihre Tiefe und ihren Realismus überzeugt. Die dadurch mitschwingende Schwere ist für mich persönlich der einzige Makel.

  • Im siebten Band der „Dusty Diggers“ wird einer Menschenart auf den Grund gegangen, die es in dieser Form nicht mehr gibt – den Neandertalern. Zu Beginn begegnet man zwei italienischen Arbeitern, die beim Zerhacken einer dicken Lehmschicht in einer Höhle im deutschen Neandertal auf Knochen stoßen. Durch mehrere glückliche Zufälle und beharrliche Menschen wird dieser Fund der Wissenschaft zugänglich gemacht und nach und nach stellt sich heraus, welche Sensation dahintersteckt. Einige Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen kommen zu Wort und es wird über die neuesten Erkenntnisse über die Lebensweise der Neandertaler berichtet.
    Ich habe mit dem siebten Buch mein erstes aus der Dusty-Diggers-Reihe gelesen und mir hat es sehr gut gefallen. Zwar passe ich nicht ins Profil der hauptsächlich angesprochenen Leserschaft (für Leser und Leserinnen ab 8 Jahren), aber auch als Erwachsene darf man sich mit und über Kinderbücher freuen. Und tat ich! Ich war vor allem von der Art, wie (Archäologie-) Geschichte vermittelt wird, begeistert. Die oft so harten Fakten der Geschichte sind in eine schöne Story verpackt, und man lernt einfach nebenher etwas Neues (zB: Warum musste die harte Lehmschicht weggehackt werden?). Mich erinnert die Herangehensweise an einen Podcast, den mein Kind sehr gerne hört und sich dabei einiges über Geschichte merkt. Die Sprache ist an das Alter der angesprochenen Leserschaft angepasst. Am Ende des Buches gibt es einige Seiten, auf denen Wörter, die im Text mit einem Sternchen markiert wurden, erklärt werden. Die Autorin schafft auch etwas sehr Wichtiges - sie gibt Frauen der Wissenschaft einen Platz im Buch. Im 19. Jahrhundert waren es zum allergrößten Teil Männer, die Erwähnung und Beachtung fanden. Silke Vry lässt die Leserschaft an der Arbeit von zwei Frauen und einem Mann im 21. Jahrhundert teilhaben und macht so auch für Kinder sichtbar, dass jede und jeder eine Stimme hat, die gehört werden soll.
    Die Illustrationen von Marie Geissler sind wunderbar. Sie begleiten die Geschichte nicht nur sehr gut, sie machen das Buch zu einem Erlebnis. Die bunten und mit Liebe zum Detail gemachten Zeichnungen laden zum Betrachten ein und unterteilen den Text, was für einige junge Leserinnen und Leser motivierend sein kann („schau mal, ich hab bis zu diesem Bild gelesen“).
    Ich bin von diesem Buch begeistert und werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen und auch weiterempfehlen!

  • Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher

    Er wollte doch nur das Richtige tun. Sein Verhalten wird missverstanden, ist es ja auch recht außergewöhnlich. Er kämpft mit dem Richtigsein. Sie kämpft ebenfalls damit, wie auch mit ihrer eigenen Richtigkeit und vor allem kämpft sie aber für ihn.
    Ozzy und seine Mutter Ann haben knisternde Nerven, wie Ann es ausdrückt. Bei Ozzy wird ADHS diagnostiziert, bei seiner Mutter wurde das in ihrer Kindheit nicht. Sie wurde einfach als wild eingestuft. Ozzy wird auch in Schubladen gesteckt. Schubladen, die verhindern, dass er in seiner Ganzheit gesehen und verstanden wird. Als eines Tages in der Schule ein Unglück passiert, auf das Oz so reagiert, dass es andere verstört, beginnen sich Ereignisse aneinanderzureihen, die den Jungen und seine Mutter außerordentlich fordern.
    Mich hat die Geschichte sehr berührt. Es waren die Passagen, die Ozzys innere Welt mit der Reaktion der Außenwelt in Vergleich brachten. Vieles von dem kam mir bekannt vor. Das Fehlen von Verständnis, dem richtigem Auseinandersetzen mit dem Menschen, der ein bisschen anders funktioniert und auch das Bedürfnis, diesen Menschen passend zu machen. Mit Ann, ihren Gedanken und ihrem Erleben, ging es mir da sehr ähnlich. Die Autorin erzählt die Geschichte der beiden sehr authentisch. Ich fand mich in vielem wieder und das berührt einfach. Ozzys Wunsch nach einer freien, unbeschwerten Zeit, in der einfach nichts von ihm gefordert wird. Seine Sorge, dass er das eingetretene Unglück visualisiert hat und damit daran Schuld ist. Anns Gedanke, dass alles, was passiert, nur dann wahr ist, wenn man es auch fühlen kann. Das ist mir alles in Variationen vertraut und von der Autorin gut recherchiert oder erlebt. Über all dem steht noch das wichtigste Thema: die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.
    Mir gefällt der Schreibstil von Birgit Birnbacher sehr gut. Die oft unvermittelten Sprünge zwischen den Erlebenden/Erzählenden machen das Buch besonders und bilden für mich auch ein bisschen ab, wie Gedankenprozesse in einem neurodivergenten Gehirn funktionieren können. Die lockere und intelligente Erzählweise, sowie die schon erwähnten authentischen Charaktere machen die Geschichte angenehm lesbar.
    Für mich war das Lesen dieses Buches eine schöne gedankliche Reise, die häufig an meiner Realität angedockt hat und mich deshalb berührt hat.

  • Das White Octopus Hotel von Alexandra Bell

    Für Eve ist einiges normal, was auf andere fremdartig wirkt. Oft wird sie von einem Kaninchen, das niemand anderes zu sehen scheint, verfolgt oder ihr Oktopus-Tattoo wandert auf ihrem Körper umher und bewegt die Arme. Für sie liegt die Erklärung für all das in dem Schicksalsschlag, den sie schon als kleines Kind erleben musste. An dem ist nicht nur sie in großen Teilen zerbrochen, sondern auch ihre Familie. Einsamkeit, Kontrolle und ein nicht greifbares Sehnen prägen ihr Leben. Bis eines Tages ein alter Mann an ihrem Arbeitsplatz auftaucht und damit der Stein für ein Abenteuer angestoßen wird, das Eve nicht nur in andere Länder, sondern auch in andere Zeiten führt.
    Zu Beginn hat mich das Buch recht schnell begeistert. Die Aussicht auf eine Zeitreise mit ungeahnten Folgen hat in mir viel Vorfreude ausgelöst. Eve wirkt aufgrund ihrer Traumata unnahbar, kalt und sehr kontrolliert. Sie fühlt sich in ihrer Umgebung, eigentlich in ihrem gesamten Leben falsch, akzeptiert als Erwachsene aber ihr Schicksal, hat jedoch auch Träume und Ziele verloren. Als dann das Unglaubliche geschieht, scheint das wie der Startschuss in ein Abenteuer, das alles, inklusive Eve verändern kann. Für mich ist das leider nicht geschehen. Eve ist weiterhin ein Rätsel für mich geblieben, sehr unnahbar und wenig greifbar. Besonders schade fand ich, dass die angeblich große Liebe mit den tiefen Gefühlen für mich absolut nicht als solche nachvollziehbar war. Zu oberflächlich wurde über sie geschrieben, zu wenig wurde die Leidenschaft transportiert. Obwohl sich einige Wendungen im Buch auftun und das Zeitreisen ein interessanter Aspekt ist, hängt immer etwas Düsteres über der Geschichte.
    Mir hat das Buch nur in Teilen gefallen und meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Es hat mich einfach nicht gepackt.

  • Im dritten Band der Buchreihe „Frei“ steht Koray im Mittelpunkt. Der Fünfzehnjährige lebt mit seiner Mutter bei seiner Oma in Rottloch, einem Dorf in Deutschland. In der Familie kriselt es. Die Influencer-Karriere von Chiara, Korays Mutter, wurde unter unschönen Umständen beendet, sodass die Familie finanziell in Not gerät. Koray will dem Abhilfe verschaffen, indem er seinen Vater ausfindig machen will, um von ihm Alimente einzufordern. Bei seiner Suche stehen ihm Nina, Josh, Nasrin und Nico, seine besten FreundInnen, die man schon aus den vorhergehenden Bänden kennt, zur Seite. Gemeinsam gehen sie Hinweisen nach und finden so einiges über sich, einander und die Geheimnisse im Dorf heraus.
    Koray erzählt aus der Ich-Perspektive. Er ist ein interessanter Charakter. Vor einiger Zeit hat er noch ein eher luxuriöses Leben geführt, ist jetzt aber auch bei seinen Freunden und seiner Großmutter in Rottloch eigentlich recht zufrieden. Denn wie auch schon in den vorhergehenden Bänden wird die Freundschaft zwischen den Jugendlichen sehr großgeschrieben. Doch die Beziehung zu seiner Mutter verschlechtert sich nicht nur wegen ihrer Arbeitslosigkeit und der Geldsorgen, sondern auch weil ein großes Geheimnis zwischen ihnen steht – die Identität von Korays Vater. Während die Teenager nach ihm suchen, erfährt man einiges über ihre verschiedene Familienmodelle und auch über die Probleme, die ihnen innewohnen. Die Autorin schreibt realitätsnah und lässt ihre jugendlichen Charaktere altersadäquate Sprache verwenden. Das und einiges an Humor verleihen dem Buch Leichtigkeit. Koray darf sich auch verlieben und erste Erfahrungen mit in einer homosexuellen Beziehung machen.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich denke, dass die angesprochene jugendliche Leserschaft das ähnlich sehen könnte. Die Themen sind aus ihrer Lebensrealität gegriffen und die unzerreißbare Freundschaft in der Gruppe wirken stärkend und motivierend. Eine lesenswerte Lektüre!

  • Ich erzähle von meinen Beinen von Cornelia Travnicek

    Der Alltag und vor allem der Schulalltag gestaltet sich für Valerie und auch für ihre Mutter Wally manchmal herausfordernd. Es wird angeregt die Zehnjährige testen zu lassen, wobei sich herausstellt, dass das Mädchen ADHS hat. Daraufhin stellen sich der Familie viele Fragen, wie zum Beispiel zur Gabe von Medikamenten. Wally fällt einige Entscheidungen im Alleingang, kämpft für und mit ihrer Tochter. Doch auch in ihrem Leben, besonders in ihrem Inneren, gibt es viele Herausforderungen, die Konzentration und Organisation angehen. All das und noch einige unvorhergesehene Geschehnisse führen dazu, dass es zu der immer wieder in kurzen Absätzen angekündigten Katastrophe kommt.
    In Rückblicken erzählt die Autorin mit Wally als Ich-Erzählerin, wie sich die Ereignisse aneinanderreihen, die zu ihrem Nervenzusammenbruch und der Überschwemmung führen.
    Die dreiköpfige Familie lebt recht idyllisch in einem Haus am Land nahe einer größeren Stadt. Alles scheint gut zu laufen, doch Wally kosten viele Dinge des Alltags mehr Energie, wo sie doch andererseits nur so vor Ideen und Energie sprudelt. Ihrer Tochter Valerie geht es da ähnlich und bei ihr wird ADHS diagnostiziert. Die Leserschaft darf Wallys täglichen Überlegungen, ihrem Leben in einem kleinen Dorf, dem Anderssein, den vielzähligen Ideen, die auf Umsetzung warten und ihren Bemühungen alles schaffen zu müssen folgen.
    Das Buch ist in kurzen Kapiteln und noch kürzeren Einschüben aus Zitaten, Gedanken oder vorausschauenden Erklärungen aufgebaut. Für mich war das interessant und spielgelt auch die Struktur, der ein neurodivergentes Gehirn folgen kann. Mich hat es überaus berührt, wie sehr ich mich in Wallys alltäglichen Abläufen, Gedanken und Problemen wiederfand. Einige Worte der Autorin drückten aus, was auch in mir schlummert, sich jedoch noch nicht bis zur Oberfläche durchgearbeitet hat und sie sprach mir damit oft aus dem Herzen. Die Themen Mental Load, Alltag mit Beruf und Familie, schulische Herausforderungen für Kind und Eltern, die sich von denen neurotypischer Familien sehr unterscheiden können und das fehlende Verständnis des Umfeldes fand ich sehr gut recherchiert (oder sind sie selbst erlebt, denn diesen Eindruck hatte ich oft wegen der präzisen Beschreibungen?). Dabei wohnt der Geschichte auch viel Humor inne, der das Buch zu einer schön und leicht zu lesenden Lektüre macht.
    Danke für das verständnisvolle, tröstende, tiefgründige und humorige Buch!

  • Funkenschwestern von Barbara Blaha

    Barbara Blaha schafft es in ihrem Buch den Funken überspringen zu lassen. Obwohl es eigentlich ein Sachbuch ist, ist ihre Art zu schreiben sehr einnehmend. Der Text liest sich flüssig, denn sie erzählt eine Geschichte, die Geschichte des Feminismus und sie erzählt auch Geschichten. Geschichten rund um den Feminismus, oft auch direkt aus ihrem Erleben. Diese Mischung ließ mich immer interessiert und aufmerksam bleiben, sodass ich das Buch beinahe ohne Weglegen durchgelesen habe. Die Autorin vermittelt Fakten, Zahlen, verweist auf viele Studien und andere AutorInnen. Die vielen Informationen verbindet sie harmonisch und schafft so ein Buch, das, so wie sie das selbst schreibt, ein Feuer entfachen kann. Ein Feuer dafür, das Patriachat, in dem wir alle leben, in seinen vielen, oft aus alter Gewohnheit schon unsichtbar gewordenen Facetten zu erkennen, zu beleuchten, zu hinterfragen und vor allem hinter uns zu lassen und zu einem neuen Ufer aufzubrechen, in dem wir alle gleichberechtigt sind. Wie Johanna Dohnal es ausdrückte: „…in eine menschliche Zukunft“.
    Mich hat Barbara Blaha mitgerissen und mir gezeigt, dass ich mit meinen Ansichten nicht allein bin. Sie bestärkt die Menschen, die Veränderung voranzutreiben, mit viel Kraft, Mut und Nachsicht. Durch den Blick zurück, veranschaulicht sie, wie weit wir schon gekommen sind und wie viel Menschen vor uns schon geleistet haben und motiviert damit, den Feminismus immer weiterzutragen. Ich fühlte mich beim Lesen bestärkt durch ihre kraftvollen und energiegeladenen Worte und bin dankbar, dass es eloquente Menschen wie sie gibt, deren Worte man sich leihen kann.